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<title>Bardschawan</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Bardschawan</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Abu’l-Futuh Bardschawan</b> (<a href="Arabische_Sprache" title="Arabische Sprache">arabisch</a> <bdo dir="ltr"><bdi dir="rtl" lang="ar" class="arabic spanAr" style="unicode-bidi:isolate;font-size:120%;">أبو الفتوح برجوان</bdi></bdo>, <a href="DIN_31635" title="DIN 31635">DMG</a> <i><span lang="ar-Latn" style="font-style:italic">Abūʾl-Futūḥ Barǧawān</span></i>; † <a href="26._M%C3%A4rz" title="26. März">26. März</a> <a href="1000" title="1000">1000</a> in <a href="Kairo" title="Kairo">Kairo</a>) war von 997 bis zu seinem Tod der regierende Minister des <a href="Fatimiden" title="Fatimiden">Fatimiden-Kalifats</a> für den unmündigen Kalif <a href="Al-H%C4%81kim_(Fatimide)" title="Al-Hākim (Fatimide)">al-Hakim</a>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben">Leben</h2></div>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Ich werde also den <a href="Gecko" class="mw-redirect" title="Gecko">Gecko</a> <i>(al-wazaġa)</i> zum König über uns machen!“
</p>
</blockquote>
</div></div>
<p>Mit diesem Satz wird Bardschawan zitiert, als er am 13. Oktober 996 in <a href="Bilbeis" title="Bilbeis">Bilbeis</a> nach dem Tod des alten Kalifen <a href="Al-%CA%BFAz%C4%ABz" title="Al-ʿAzīz">al-Aziz</a> dessen elfjährigem Sohn und designiertem Nachfolger Mansur den Herrscherturban aufsetzte, nachdem er diesen beim Spiel auf einem Baum kletternd auffand. Bardschawans Herkunft ist obskur; in den Überlieferungen wird er mal als „schwarzer“/sudanesischer, mal als „weißer“/slawischer <a href="Eunuch" title="Eunuch">Eunuch</a> beschrieben, der im Dienst des Kalifen al-Aziz aufgestiegen ist und schließlich der Lehrmeister <i>(<a href="Ust%C4%81d" title="Ustād">ustāḏ</a>)</i> des jungen Thronfolgers Mansur wurde. Er war schließlich der Erste, der dem kleinen Prinz als neuem Kalif unter dem Namen al-Hakim huldigte. Die Thronfolge seines Schützlings verteidigte er im Anschluss, als er einen Staatsstreichversuch der ehrgeizigen Prinzessin <a href="Sitt_al-Mulk" title="Sitt al-Mulk">Sitt al-Mulk</a> aufdeckte.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der starke Mann im Staat wurde allerdings der Befehlshaber der <a href="Kutama" class="mw-redirect" title="Kutama">Kutama-Berber</a> <a href="Hassan_ibn_Ammar_al-Kutami" title="Hassan ibn Ammar al-Kutami">Ibn Ammar</a>, der von seinen Truppen zum „Mittler“ <i>(wāsiṭa)</i> zwischen ihnen und dem Kalif proklamiert wurde, damit also die Funktion des <a href="Wesir" title="Wesir">Wesirs</a> einnahm.
</p><p>Das Regime des „Mittlers“ wurde allerdings schnell unbeliebt, da dieser die Kutama im Staats- und Heerwesen begünstigte und die sudanesischen, <a href="Dailamiten" title="Dailamiten">dailamitischen</a> und türkischen Verbände benachteiligte. Des Weiteren provozierten die Kutama durch ihre Undiszipliniertheit und Gewalttätigkeit die Ablehnung der Bevölkerung. Diesen Unmut machte sich Bardschawan am 3. September 997 zunutze, indem er gestützt auf ein weitumspannendes Netz aus Informanten und den türkischen Militärsklaven <i>(<a href="Mamluken" title="Mamluken">mamlūk</a>)</i> einen erfolgreichen Putsch in <a href="Kairo" title="Kairo">Kairo</a> gegen Ibn Ammar und seine Kutama durchführte, die aus der Stadt vertrieben werden konnten.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bardschawan nahm nun selbst den Funktion des Regenten ein, ohne allerdings den Titel des gestürzten Vorgängers zu übernehmen. Zu seinen ersten Maßnahmen zählte die Entfernung der Kutama von allen wichtigen Posten des Staatswesens, er zeigte sich ihnen allerdings gnädig, indem sie sich wieder als besoldete Krieger unter die anderen Verbände des fatimidischen Heeres einreihen durften.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In die Staatsämter wurden nun Vertrauensmänner des Bardschawa berufen, die zumeist wie er der Kaste der Eunuchen entstammten, aber im Gegensatz zu den Kutama über eine weitaus höhere Kompetenz zur Organisation der zivilen Verwaltung und des Fiskalwesens verfügten.
</p><p>Während der Regentschaft des Bardschawan begannen sich die westlichen, berberisch geprägten Provinzen des Fatminiden-Kalifats, also der <a href="Maghreb" title="Maghreb">Maghreb</a> (heute <a href="Marokko" title="Marokko">Marokko</a>), „Afrika“ (<i><a href="Ifr%C4%ABqiya" title="Ifrīqiya">Ifrīqiyā</a></i>, heute <a href="Algerien" title="Algerien">Algerien</a> und <a href="Tunesien" title="Tunesien">Tunesien</a>) und <a href="Sizilien" title="Sizilien">Sizilien</a>, von der Oberherrschaft der Kalifen zu lösen, die von den Statthalterdynastien der <a href="Ziriden" title="Ziriden">Ziriden</a> und <a href="Kalbiten" title="Kalbiten">Kalbiten</a> nur noch nominell anerkannt wurden. Dem Anspruch des Fatimiden-Kalifats auf die ungeteilte Herrschaft über die muslimische Welt verpflichtet, richteten Bardschawan und die ihm nachfolgenden Regenten des Kalifats ihr Hauptaugenmerk auf den Osten, mit der Überwindung des sunnitischen <a href="Abbasiden" class="mw-redirect" title="Abbasiden">Abbasiden-Kalifats</a> in <a href="Bagdad" title="Bagdad">Bagdad</a> als Zielsetzung, wofür die militärischen und wirtschaftlichen Kräfte des Staates forciert wurden. Außenpolitisch suchte er dazu einen Ausgleich mit dem <a href="Byzantinisches_Reich" title="Byzantinisches Reich">Byzantinischen Reich</a>, mit dem die Fatimiden im Streit um die Herrschaft über <a href="Syrien" title="Syrien">Syrien</a> seit einigen Jahren im Kriegszustand lagen. In dem mächtigen Kaiser <a href="Basileios_II." title="Basileios II.">Basileios II.</a> hoffte er zugleich einen starken Verbündeten zu finden. Im Frühjahr 1000 entsandte er daher eine diplomatische Mission unter dem Jerusalemer Patriarchen <a href="Orestes_(Jerusalem)" title="Orestes (Jerusalem)">Orestes</a>, einem Onkel des Kalifen, an den Hof von <a href="Konstantinopel" title="Konstantinopel">Konstantinopel</a> zur Aushandlung eines mehrjährigen Waffenstillstandes, dessen erfolgreiche Besiegelung im Jahr darauf er allerdings nicht mehr erlebte.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Am 26. März 1000 wurde Bardschawan von dem fünfzehnjährigen al-Hakim dazu eingeladen, mit ihm während eines Jagdausfluges einen neu gestalteten Garten des Palastes von Kairo zu begutachten. Nachdem sie sich so von der übrigen Jagdgesellschaft entfernt hatten, stieß der Schirmträger des jungen Kalifen, der außerdem ein früher Parteigänger der Prinzessin Sitt al-Mulk war, ein Messer in den Bauch des Regenten. Zeitgleich rammte ihm der Kalif seine Jagdlanze in den Leib, worauf Bardschawan blutüberströmt von seinem <a href="Maultier" title="Maultier">Maultier</a> stürzte. In einem Versteck bereitstehende slawische Sklaven vollendeten die Tat mit Schwerthieben gegen das am Boden liegende Opfer. Nach zeitgenössischen Aussagen habe sich der junge Kalif durch diese, bereits ein Jahr im Voraus geplante, Bluttat von der jahrelangen Bevormundung und Gängelung seitens seines ehemaligen Lehrmeisters emanzipieren wollen. Tatsächlich wurde damit der Beginn seiner Selbstherrschaft markiert.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Autoren der <a href="Alexandrinische_Patriarchengeschichte" title="Alexandrinische Patriarchengeschichte">Alexandrinischen Patriarchengeschichte</a> wussten dazu die Pointe zu berichten, wonach der Kalif an jenem Tag einen Boten zu Bardschawan mit der Einladung zum Gartenbesuch sandte und diesen dazu mitteilen ließ:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Sag ihm: Der kleine Gecko ist ein gewaltiger Drache geworden, und der lässt dich rufen!“
</p>
</blockquote>
</div></div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Farhad_Daftary" title="Farhad Daftary">Farhad Daftary</a>: <i>The Ismāʿīlīs: Their History and Doctrines.</i> 2. Auflage, London 2007.</li>
<li><a href="Heinz_Halm" title="Heinz Halm">Heinz Halm</a>: <i>Die Kalifen von Kairo. Die Fatimiden in Ägypten 973–1074.</i> C.H. Beck, München 2003.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Quelle">Quelle</h2></div>
<ul><li><a href="Ibn_Challik%C4%81n" title="Ibn Challikān">Ibn Challikan</a>: „Das Ableben bedeutender Persönlichkeiten und die Nachrichten über die Söhne der Zeit“ <i>(Wafayāt al-aʿyān wa-anbāʾ abnāʾ az-zamān)</i>, hrsg. von <a href="William_MacGuckin_de_Slane" title="William MacGuckin de Slane">William Mac Guckin de Slane</a>: <i>Ibn Khallikan’s biographical dictionary,</i> Bd. 1 (1842), S. 253.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anmerkungen">Anmerkungen</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. Halm, S. 167 f.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. Halm, S. 173 f.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. Halm, S. 175.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. Halm, S. 178, 219.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. Halm, S. 178 f.</span>
</li>
</ol>
</div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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